Wir gratulieren dem Gewerbeverband Limmattal zu ihrer gelungen und erfrischenden ersten Ausgabe der Gewerbe-Zeitung vom 19. März 2015. Wir danken ganz besonders, dass uns Gegnern der Limmattalbahn erstmals eine im Limmattal erscheinende Zeitung (!) die Möglichkeit geboten hat, unsere Argumente unzensuriert und ungekürzt darzulegen.
Wir möchten den kommenden Generationen den Weg in die Zukunft nicht mit in Stein gehauenen Schienen verbauen und kämpfen für kostengünstigere, flexiblere und modernere Verkehrssysteme im Limmattal.
Mein Freund A.W. hatte die Zeitung am Samstag leider bereits entsorgt. Das hat uns veranlasst, das Interview auf unserer Homepage zu publizieren, um allen die Gelegenheit zu bieten, es in aller Ruhe doch noch zu lesen,
weiter zur ersten Frage
Braucht das Limmattal wirklich eine zusätzliche Ost-/West-ÖV-Verbindung? Egloff: Ja unbedingt. Denn S-Bahn, Bus und Strassen sind vielerorts heute schon ausgelastet oder zu Stosszeiten gar überlastet. Und das Limmattal wird weiter wachsen. Die Limmattalbahn schafft die dringend notwendigen Transport-Kapazitäten, um die Verkehrsprobleme der Region langfristig zu lösen. Panzeri: Nein. Das zürcherische Limmattal ist mit S-Bahn und Bus bereits hervorragend erschlossen. Die neue S-Bahn Linie 19 wird ab Dezember eine weitere Verbesserung zum Viertelstundentakt bringen. Die Limmattalbahn ist als Feinverteiler überflüssig, weil sie lediglich auf einer gradlinigen Achse und einem sehr schmalen Bedienungskorridor von Ost nach West verkehren wird.
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Sind die Projektgrundlagen und -annahmen realistisch? Egloff: Sicherlich, sonst hätten die Regierungsräte der Kantone Zürich und Aargau die Kredite nicht gesprochen. Das Projekt ist seit Beginn terminlich auf Kurs. Und auch die Kosten sind im Rahmen vergleichbarer Projekte. Panzeri: Nein. Das Projekt basiert allein auf einem Agglomerationsprogramm mit teilweise unrealistischen Annahmen ohne alternative Entwicklungen und Lösungen. Die Planung beruht auf einem überholten Stand und basiert auf „unbegrenztem Wachstum“. Die Folgen der Masseneinwanderungsinitiative und die sich abzeichnende Konjunkturabkühlung sind nicht berücksichtigt. In Schlieren hat dieser Tage die führende Versicherungsgesellschaft der Schweiz, die AXA Winterthur, die Planung einer Wohnsiedlung mit 190 Einheiten abgebrochen, weil sie bereits von einem Überangebot in der Region ausgeht.
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Wem nützt die Limmattalbahn? **Egloff:**In erster Linie den Limmattalerinnen und Limmattalern, denn sie erhalten ein zeitgemässes Verkehrsmittel, das sie schnell und zuverlässig zur Arbeit, zu Freizeitaktivitäten und wieder nach Hause bringt. Zudem löst die Limmattalbahn Folgeinvestitionen in Arbeitsplätze und Wohnraum aus und stärkt damit die ganze Wirtschaftsregion. Die Gemeinden erfahren aber nicht nur Wachstum, sondern auch Erneuerung und Aufwertung. Dank der Dynamik der letzten Jahre hat das Limmattal seinen Ruf verbessern können.
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Wo sind die kritischen Stellen der Limmattalbahn? **Egloff:**Eine Herausforderung sind sicherlich die engen Platzverhältnisse in den Zentren. Den Planern ist es gelungen, diese Probleme zu lösen. Mittlerweile ist die Linienführung breit abgestützt. Auch die jüngsten Einigungen in Schlieren und Dietikon zeigen, dass das Projekt auf Kurs ist.
**Panzeri:**Beim Bahnhof Dietikon: Drei Liegenschaften im Werte von mehreren Millionen sollen enteignet und gekauft und dann abgebrochen werden! Mehrere Geschäftsbetriebe werden vernichtet, damit die Bahn genügend Platz zur Durchfahrt hat.
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Welche allfälligen weiteren Nachteile hat eine Stadtbahn? **Egloff:**Wirkliche Nachteile sehe ich keine. Teilweise wird befürchtet, dass der Autoverkehr eingeschränkt werden könnte. Die Limmattalbahn verkehrt aber zu über 90 Prozent auf Eigentrasse. Verkehrssimulationen belegen, dass die Bahn den übrigen Verkehr nicht behindern wird.
**Panzeri:**Trams sind gefährlich, weil sie einen viel längeren Bremsweg als die Busse haben. Die Limmattalbahn ist unfallgefährlich. Das Konzept basiert auf demjenigen der Glattalbahn. Trotz 90 % Fahrt auf separatem Trassee, weisen die VBG eine extrem hohe Unfallhäufigkeit auf. Extreme Bauarbeiten, allein beim Bahnhof Dietikon während mindestens 3 ½ Jahren. Hohe Unterhaltskosten für die Trassee-Reinigung und für die Gleisrevisionen. Verschandelung der Wohngebiete und des Stadtzentrums mit Schienen und Oberleitungen.
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Ist die Limmattalbahn ein Feinverteiler? **Egloff:**Die Limmattalbahn ist ein schneller Feinverteiler in die Zentren. Sie übernimmt eine andere Funktion als die S-Bahn, die ein Grobverteiler in die Agglomerationen ist. Die Limmattalbahn ist gut auf S-Bahn- und Bus-Netz abgestimmt.
**Panzeri:**Ganz klar Nein. Feinverteiler sind die bereits bestens funktionierenden Busse ab den bestehenden S-Bahn Halteorten, welche die Passagiere schnell und direkt an ihr Ziel bringen.
zu einer weiteren Frage
Gäbe es Alternativen zur Limmattalbahn? Wurden diese geprüft? Falls nein, weshalb nicht?
Egloff: Der Erfolg eines Verkehrsträgers hängt stark von dessen Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Komfort ab. In all diesen Punkten ist die Limmattalbahn unschlagbar. Alternativen wurden geprüft, die gewählte Lösung mit Anbindung ans Zürcher Tramnetz ist die Beste. Deshalb, eine bessere Alternative gibt es nicht.
Panzeri: Der fahrleitungslose induktive Elektrobus wurde nicht geprüft. Dieses System erlebt in verschiedenen europäischen Gross-Städten einen zukunftsweisenden Aufschwung. Für die VBZ ist dies ein Schritt in die Zukunft, hin zum Fernziel eines fahrleitungslosen Busnetzes. Dieses Transportmittel wird sich bis zur Einführung im In- und Ausland noch rasant weiter entwickeln. Für unsere Politiker kein Thema!
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Welche Vorteile / Nachteile hätte ein fahrleitungsloser Elektrobus gegenüber einer Bahn? Egloff: Die Limmattalbahn kann zwei bis dreimal mehr Menschen transportieren als ein Bus. Dank einem fast durchgehenden eigenen Trassee ist die Limmattalbahn pünktlich und schnell am Ziel – auch in Stosszeiten, wenn die Autos und Busse im Verkehr stecken bleiben. Vor allem für Familien mit Kinderwagen oder gehbehinderte Menschen ist eine Stadtbahn zudem sicherer und bequemer. Nicht zuletzt bliebe eine Buslösung ein reines ÖV-Projekt, das keine weiteren Mehrwerte für die Region bringt wie die Neugestaltung des Strassenraums oder die Erneuerung der Siedlungsstruktur.
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Bietet ein fahrleitungsloser Bus nicht zu wenig Kapazität? Egloff: Richtig. Wie erwähnt kann die Limmattalbahn zwei bis dreimal mehr Menschen transportieren als Busse.
Panzeri: Nein. Alle 6-7 Minuten ein Bus ist angenehmer, als alle 15 Minuten eine Bahn. Gemäss der Luzerner Studie wird von den Benutzern die schnelle Frequenz stärker gewichtet als der Komfort.
ein weiteres Thema
Die Planung der Limmattalbahn basiert auf den Erfahrungen der Glatttalbahn. Was ist dazu zu sagen? **Egloff:**Die Limmattalbahn kann von den Erfahrungen der Glatttalbahn profitieren. Es findet ein reger Austausch statt. Die Limmattalbahn ist aus Sicht der Metropalitanregion eine Ergänzung des Gesamtsystems.
Panzeri: Die VBG fahren Orte an, die vorher keinen ÖV hatten. Sie fährt nicht parallel zu drei S-Bahn Linien. Der Betrieb ist nicht rentabel. hier geht es weiter
Sind die Limmattalbahn-Gegner vor allem eine kleine Gruppe aus dem Spitalquartier Schlieren? Egloff: Aus dieser Region gibt es kritische Stimmen. Gespräche mit den Menschen im Limmattal zeigen mir, dass die Menschen im Limmattal diese Bahn wollen. Die Standortgemeinden haben mehrfach – zuletzt mit dem breit unterstützten Manifest – betont, dass sie die Limmattalbahn unterstützen.
Panzeri: Nein. Die Gegner dieses unsinnigen Projektes stammen aus dem gesamten Limmattal. 60 % der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in Dietikon und Schlieren hätten gemäss einer kürzlich durchgeführten repräsentativen Studie „Nein“ zu diesem Projekt gestimmt.
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Braucht es diese extrem hohen Kosten und führen diese nicht zu einer Verteuerung der Billettpreise und zu höheren ÖV-Defiziten? Egloff: Der Bau einer Jahrhundertbahn hat seinen Preis, in diesem Fall 755 Millionen Franken. Das Beispiel Glattalbahn zeigt, dass eine Region stark von einer Stadtbahn profitiert. Jeder in die Glattalbahn investierte Franken hat das 25-fache an privaten Bauinvestitionen im Umfeld ausgelöst.
Panzeri: Die Limmattalbahn wird über viele Jahre mehrheitlich halbleer herumfahren. Das wird zwangsläufig zu höheren Billetpreisen, zur Erhöhung des Defizits und der Gemeindebeiträge führen, die Steuererhöhungen zur Folge haben werden.
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Der Kanton Zürich droht damit, dass die ganzen Strassenbauprojekte in Schlieren und Dietikon (‘flankierende Massnahmen’) entfallen würden, wenn die Limmattalbahn abgelehnt wird. Was meinen Sie dazu? **Egloff:**Kommt die Limmattalbahn nicht, werden auch die projektierten Strassenmassnahmen nicht umgesetzt. Das Strassennetz würde in absehbarer Zeit keine ausreichende Leistungsfähigkeit mehr vorweisen. Es bräuchte grössere Ausbauten, die – wenn überhaupt – äusserst schwierig zu realisieren wären. Darunter würden alle Verkehrsteilnehmer leiden: MIV und ÖV.
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